4. Spieltag Abstiegsrunde, Kirchberg bleibt erstklassig
Abstiegsrunde in Rösrath
TuS Kirchberg bleibt erstklassig
Die Kegler vom TuS Kirchberg ziehen sich am letzten Spieltag der Bundesliga-Abstiegsrunde ans rettende Ufer und dürfen eine weitere Saison im Oberhaus planen. In einem verrückten Finale erspielt der TuS zwei Punkte hinter Gastgeber Rösrath und der SK Kamp-Lintfort, die damit ebenfalls den Klassenerhalt sichern. Ein Kirchberger Routinier wird zum Matchwinner der Hunsrücker.
Für den letzten Spieltag der Abstiegsrunde der Bundesliga war im WKV-Landesleistungsstützpunkt in Rösrath alles für einen packenden Schlussakkord angerichtet. Eine bis dato unvorstellbare Viererrunde zwischen Kirchberg, Kamp-Lintfort, Rösrath und Trier sollte ihren Abschluss finden. Kaum einer der aktiven Spieler hat jemals eine offenere Runde erlebt als diese Abstiegsrunde 2025/26. Auf dem Papier war lediglich der Gastgeber aus Rösrath vor der Partie chancenlos – nur ein Kegelwunder konnte die Rösrather rein rechnerisch noch retten. Doch dafür war eine bestimmte Konstellation nötig: Kirchberg, die mindestens zwei Punkte brauchten, um ihrerseits die Klasse zu halten, musste für Rösraths Chance auf genau zwei Punkte kommen – die Gastgeber mussten dann eine Differenz von 66 Einzelwertungspunkten auf Kirchberg aufholen, um doch noch im Oberhaus zu bleiben – eine schier unmögliche Aufgabe. Trier und Kamp-Lintfort hatten da weniger zu rechnen: Für beide Mannschaften würden zwei oder mehr Punkte sicher zum Klassenerhalt reichen. Man konnte die ganzen Rechenspielchen herunterbrechen auf die einfache Aussage – der Letzte dieses Spieltags steigt neben Rösrath in die zweite Bundesliga ab. Doch es sollte der absolute Playoff-Wahnsinn folgen.
Die Partie sollte schon so beginnen, wie sich die ganze Abstiegsrunde gestaltet hatte – vier Mannschaften auf Augenhöhe machten sich die Hölzer streitig. Im ersten Block war es Ferdinand Fuchss, der auf der bei ihm sehr beliebten Rösrather Bahn für einen Kirchberger Hoffnungsschimmer sorgte. Mit 850/21 setzt Fuchss eine erste Duftmarke auf den an diesem Tag schwierig zu bespielenden Bahnen in Rösrath. Doch die anderen Mannschaften ließen nicht abreißen und waren ebenfalls blendend drauf. SK Kamp-Lintfort blieb mit Henk Lardenoije (849/20) direkt dran, Rösrath mit Benjamin Schmitz (842/18) und Trier mit Thomas Steines (841/17) setzten die Wertung im Prinzip auf Null. Fuchss haderte zwar mit ein paar Fehlern, die eine deutlichere Führung verhinderten, wusste aber auch um die Wichtigkeit des Blocksieges. „Es war wichtig, dass ich den Block noch gewonnen habe, die Einzelwertungen könnten am Ende noch wichtig werden“, damit hatte Fuchss bereits am Anfang der Partie einen guten Riecher.
Kirchbergs Kegler hätten sich im zweiten Block gerne an der Spitze Luft verschafft, doch Rösraths Dominik Schmitz (867/24) hatte was dagegen und setzte mit einer starken Leistung die Tagesbestzahl. Und auch Kamp-Lintfort (Dennis Schmidt 816/14) und Trier (Luca Wolter 817/15) machten auf gutem Niveau weiter. Falko Stockter erwischte für die Kirchberger einen gebrauchten Tag und kam nicht wirklich in Gang. Einen zähen Durchgang mit zu wenigen Neunern brachte er mit 799/9 versöhnlich zu Ende, den Abstand zum Feld konnte er damit glücklicherweise geringhalten. Doch Kirchberg fand sich nach der Führung plötzlich auf dem Abstiegsrang wieder.
Der dritte Block war der erste in dem sich zeigte, dass dieses Finale in Rösrath auch in einer Nervenschlacht entschieden werden würde. Markus Adams startete für Kirchberg mit einer katastrophalen ersten Bahn – die Kirchberger standen hier schon kurzzeitig am Abgrund, doch Adams zog sich aus dem Loch und fand im weiteren Verlauf immer besser in die Partie. Bei Triers Manfred Göbel (747/3) stellte sich die Lage genau andersherum dar, nach gutem Beginn hatte er immer mehr Schwierigkeiten, während Adams zurückschlug und sich auf 773/5 hievte. Marcel Bernsee (804/11) blickte für Kamp-Lintfort auf die Fehler der Konkurrenz und brachte seinen Durchgang unaufgeregt ins Ziel. Ebenso wie Friedhelm Kohlhoff (809/12), der die Führung der Gastgeber immer weiter manifestierte.
17 Holz vor Trier nahm der TuS dann mit in den vierten Block und dort konnte Marco Thees das Polster auf Trier schnell deutlich vergrößern. Während Kirchberg gut aufspielte, erwischte Triers Daniel Klink (691/1) einen Tag zum Vergessen. Thees legte eine starke erste Halbzeit hin und schickte sich an, die Kirchberger Führung in eine komfortable zu verwandeln – doch dann kam bei ihm ein riesiger Knick ins Spiel. In der 2. Halbzeit verlor er den Faden und der Vorsprung blieb trotz der Einladung Triers unverändert. Ein Sinnbild für die verrückte Partie war allerdings ein Abräumbild von Thees: Als dieser Probleme auf den Bauern entwickelte ermutigte ihn sein Betreuer das Sechser-Abräumbild einfach zu „schnibbeln“, statt auf den Bauern zu spielen. Gesagt, getan – Thees räumte das Bild und hatte nach drei Abwürfen wieder die Vollen stehen, was ihm unterm Strich 747/2 einbrachte. Ralf Hennes (855/22) brachte Rösrath auf dem Weg zum Heimsieg immer weiter nach vorn, Kamp-Lintfort (Yannik Holzum 764/4) tat nur das Nötigste und schaute sich den Kampf um Platz 3 mit Sicherheitsabstand an.
Mit unkonventionellen Mitteln brachte Kirchberg eine Führung von 73 Holz gegenüber Trier in den nächsten Block. Dort wollte TuS-Mannschaftsführer Matthias Bender das Polster weiter ausbauen, um sein Team mit einem Fuß in der ersten Liga zu halten. Doch auch hier schrieb diese völlig absurde Abstiegsrunde ein weiteres Kapitel der tollen Kegel-Geschichten. Beim SKV Trier legte Routinier Engelbert Poth (838/16) los wie die Feuerwehr und brachte entgegen der Kirchberger Hoffnungen die Moselaner immer weiter an Kirchberg heran. Mit einer gesunden Mischung aus tollem Spiel und der richtigen Portion Glück kam Trier immer näher. Das ging auch nicht spurlos an Bender vorüber, dem schlichtweg die Konstanz fehlte – mit 791/8 verlor Kirchberg große Teile seines Vorsprungs und das Momentum schien bei Trier. Abseits des Dramas zwischen Kirchberg und Trier machte Kamp-Lintfort (Daniel Niesner 790/7) weiter seine Hausaufgaben und die Gastgeber aus Rösrath arbeiteten klammheimlich am Kegelwunder, als sich auch Sven Habeth (848/19) in der Spitze des Tableaus platzierte.
Wie sollte es anders sein, als dass sich die Entscheidung dieser Abstiegsrunde erst in den letzten Kugeln finden sollte. Kirchberg lag 26 Holz vor Trier – aber auch nur 63 Holz hinter Kamp-Lintfort. Rösraths Lage war sehr schwierig einzuschätzen – der Heimsieg war in trockenen Tüchern, aber wie hoch die Gastgeber in den Einzelwertungspunkten landen würden, war zu diesem Zeitpunkt maximal zu erahnen. Kirchbergs Andreas Martin sah sich dem Ausnahmekönner der Trierer entgegengesetzt. Nico Klink hatte seine Mannschaft in Kirchberg mit unglaublicher Leistung auf Rang 3 gehievt, in Kamp-Lintfort und zuhause ebenfalls absolute Top-Zahlen aufgelegt. Nur die absoluten Optimisten setzten hier noch auf den TuS Kirchberg – doch Andreas Martin fand sein Kämpferherz und bot alles an Erfahrung auf, die er zu bieten hatte. Bis zur Halbzeit wehrte Kirchberg die Bemühungen Triers ab und hielt den Vorsprung am Leben. Immer wieder dachte man, Trier würde die Hunsrücker übertrumpfen, doch Martin hatte immer eine Antwort und das entsprechende Glück parat. Rösrath legte eine weitere Top-Leistung hin (Lars Kirschbaum 857/23), während Kamp-Lintfort das Geschehen zwar kontrollierte, aber immer mehr an Polster verlor (Christian Prante 782/6). Und so kam es dazu, dass bis zur letzten Kugel alle vier Mannschaften realistische Chancen auf den Klassenerhalt hatten. Martin stemmte sich weiter mit aller Macht gegen die Bemühungen von Trier und brachte auf den letzten Metern die Kirchberger in Ekstase. Eine absolute Willensleistung mit 813/13 hielt die Kirchberger in der Endabrechnung vor Trier (Nico Klink 803/3). Der Abstand auf Kamp-Lintfort schrumpfte auf lediglich 35 Holz, die durch die drei erspielten Punkte sofort den Klassenerhalt feiern durften. Und dann begann das große Rechnen am Monitor. Hatten die Hausherren den Rückstand von 66 Einzelwertungen auf Kirchberg noch aufholen können? Nach schier endlosen Minuten kam dann die große Erleichterung für die Hunsrücker. Das Rösrather Kegelwunder blieb hauchdünn aus, mit 118 von 129 möglichen Einzelwertungspunkten hatten die Hausherren alles für den Klassenerhalt getan, doch Kirchberg rettete sich ihrerseits auf 58 Einzelwertungen, weshalb die Hunsrücker dank mickriger sechs EWP vor Rösrath den Klassenerhalt möglich machten.
Fazit: Eine verrückte Abstiegsrunde findet ein verrücktes Ende, an dem die Hunsrücker den Klassenerhalt bejubeln dürfen. Alle vier Mannschaften agierten vier Spieltage auf Augenhöhe und jede Mannschaft hätte den Klassenerhalt verdient. Dass die Entscheidung erst auf den letzten Metern fällt, zeigt wie unglaublich spannend der Kegelsport sein kann. Der SK Kamp-Lintfort verdient sich mit 14 Punkten den Klassenerhalt, TuS Kirchberg, SKV Trier und CfK GW 65 Rösrath landen bei jeweils 12 Punkten – mit dem besseren Ende für den TuS. Kirchberg hatte in der Abstiegsrunde genau das Glück, welches in der regulären Saison oftmals fehlte. Die Hunsrücker schaffen es aber mit einer herausragenden Abstiegsrunde und großer Nervenstärke doch noch zum ersehnten Klassenerhalt und dürfen für eine weitere Saison im Oberhaus planen. Für den SKV Trier und den CfK GW 65 Rösrath steht leider der Gang in die zweite Liga an – eine schnelle Rückkehr der Teams in die Bundesliga wäre allerdings überaus verdient. Der Abschluss in Rösrath war Werbung für den Kegelsport, doch wenn man sich die Tabelle anschaut zeigt sich auch, wie grausam die Abstiegsrunde sein kann – Freud und Leid liegen so nah beieinander, doch der TuS darf jubeln und sich auf weitere Partien im Oberhaus freuen!
Tabelle:
1. SK Kamp-Linfort – 14 Punkte – 302 EWP
2. TuS Kirchberg – 12 Punkte – 307 EWP
3. CfK GW 65 Rösrath – 12 Punkte – 301 EWP
4. SKV Trier – 12 Punkte – 290 EWP
|
CfK GW 65 Rösrath |
TuS Kirchberg 1 |
||||
|
Schmitz, Benjamin |
18 |
842 |
850 |
21 |
Fuchss, Ferdinand |
|
Schmitz, Dominik |
24 |
867 |
799 |
9 |
Stockter, Falko |
|
Kohlhoff, Friedhelm |
12 |
809 |
773 |
5 |
Adams, Markus |
|
Hennes, Ralf |
22 |
855 |
747 |
2 |
Thees, Marco |
|
Habeth, Sven |
19 |
848 |
791 |
8 |
Bender, Matthias |
|
Kirschbaum, Lars |
23 |
857 |
813 |
13 |
Martin, Andreas |
|
4 |
118 |
5078 |
4773 |
58 |
2 |
|
SKV Trier 1 |
SK Kamp-Lintfort 1 |
||||
|
Steines Thomas |
17 |
841 |
849 |
20 |
Lardenoije, Henk |
|
Wolter, Luca |
15 |
817 |
816 |
14 |
Schmidt, Dennis |
|
Göbel, Manfred |
3 |
747 |
804 |
11 |
Bernsee, Marcel |
|
Klink, Daniel |
1 |
691 |
764 |
4 |
Holzum, Yannik |
|
Poth, Engelbert |
16 |
838 |
790 |
7 |
Niesner, Daniel |
|
Klink, Nico |
10 |
803 |
782 |
6 |
Prante, Christian |
|
1 |
62 |
4737 |
4808 |
62 |
3 |
Vorschau:
Sonntag, 28.03.2026, Regionsmeisterschaften in Morbach
